23
Mrz
2008

Weisse Ostern

Das Osterfeuer loderte heute vor dem Auferstehungsgottesdienst um 6 Uhr morgens im Schneegestöber.
Auf dem Weg zur Kirche sind wir gerutscht und gefroren haben wir auch.
Es war wie im Winter bei uns, nur das frühlingshafte Vogelgezwitscher sprach dagegen.
Mittags hatte Franzl einen erstklassigen Lammbraten aufgetischt. Von mir gab es eine Camembert-Wein-Suppe und alle waren begeistert.
Nach dem Essen fuhren meine Töchter und ich zu meiner Mutter. Sie ließ sich heute aus dem Bett in ihren Sessel befördern und gefiel mir etwas besser als vorgestern.
Nun sind unsere Töchter zu einem der unzähligen Osterfeuer in der Umgebung unterwegs und ich konnte Franzl zu einer Runde Canasta überreden. Damit ist der Abend dann wohl ausgefüllt.
Morgen gibt es wieder Lamm und vorweg Tomaten mit Mozzarella.
Dann ist Ostern vorbei und ich bin dann täglich bei meiner Mutter.

22
Mrz
2008

Ein frohes Osterfest

... wünsche ich allen.

20
Mrz
2008

Was mir wichtig ist

Wie weit rückt der Rest der Welt doch weg, wenn ich am Krankenbett sitze. Hier in meiner Mutters Wohnung ist dann für einen Augenblick der Nabel der Welt. Gibt es im Moment etwas wichtigeres, als dass es der Kranken bald besser geht und ich ihr auf dem Weg dahin jede Erleichterung schaffe, die nur irgendwie möglich ist?
Immer wieder überrede ich sie dazu, doch etwas zu trinken. Sie beschwert sich darüber und schimpft mit mir. Meine Ohren sind in Augenblicken wie diesen auf Durchzug geschaltet. Ich bleibe ganz ruhig und am Ende habe ich Erfolg und freue mich für sie.
Wenn sie schläft verlasse ich den Raum. Nebenan lausche ich dann ihren Atemzügen. Rasselnd holt sie Luft und Aua-Rufe begleiten ihr Ausatmen.
Der Rücken schmerzt vom langen Liegen.
Leise bewege ich mich in der Wohnung, damit sie im Schlaf entspannen kann. In der Küche stehen ein paar Gläser und Teller im Abwasch. Schnell sind sie sauber und ich stelle erneut frisches Wasser ans Bett.
Immer würde ich sie ärgern, bekomme ich von meiner Mutter zu hören. Ich nehme es nicht persönlich. Sie ist alt und krank - wie ein großes Kind benimmt sie sich manchmal und das darf sie jetzt auch.
Ich bin die Ruhe selbst.

19
Mrz
2008

Passionszeit

Meine Mutter wird mit zunehmender Genesung fordernder. Bis zum Nachmittag war ich heute bei ihr. Mittagessen hatte ich mitgebracht und sie nahm es gern. Aufstehen kann sie noch immer nicht allein, das macht alles schwieriger als es sein müsste.
Zuhause war bei uns angekündigt worden, dass heute das Wasser abgestellt wird. Die Badewanne ließ ich noch vollaufen ehe ich zu meiner Mutter fuhr und ein Kochtopf mit Wasser stand auch auf dem Herd. Allen wurde geraten am Abend vorher zu duschen oder eben erst nach 13 Uhr, wenn das Wasser wieder fließt.
Und dann stellte niemand das Wasser ab. Alle Vorbereitungen und Überlegungen hätten wir uns sparen können.
Franzl schlägt sich außerdem noch mit Versicherungen herum. Eigentlich wollte keine unserer Versicherungen zuständig sein, aber nun haben wir doch eine gefunden, die für die kaputte Scheibe in der Haustür zahlen muss. Dreihundert Euro haben wir auch nicht so einfach übrig.
So vergeht ein Urlaubstag nach dem anderen und zu der dringend nötigen Erholung kommt Franzl nicht.
Ich dämmere nur noch vor mich hin, wenn ich von meiner Mutter zurück bin und schlafe nachts kaum bis gar nicht.
Es ist Karwoche.
Alles wartet auf Ostern.

18
Mrz
2008

Geschenkte Zeit

Wenn ich so wie heute viele Stunden am Bett meiner Mutter verbringe, reden wir von früher - schon allein, um sie von ihren großen und kleinen Schmerzen abzubringen. Viele Bilder meiner Kindheit werden dann vor mir wieder lebendig. Begleitet von den Tränen meiner Mutter bringen wir uns abwechselnd Geschichten von früher wieder ins Gedächtnis. So viel Zeit zum Reden hatten wir selten. Immer war meine Mutter damit beschäftigt andere zu beschäftigen. Nun, da sie hilflos in ihren Kissen liegt, lässt sie manches mit sich geschehen, was ihr gut tut auch wenn sie es nicht einsieht.
Immer wieder habe ich das Bild von der umgekehrten Situation vor mir. Früher trug ich das Lätzchen und wurde gefüttert - heute ist es umgekehrt.
Ein Märchenbuch habe ich heute mitgenommen und dachte passend zum Winterwetter eine Geschichte von Hans Christian Andersen vorlesen zu können. Doch meine Zuhörerin zog es vor heute den ganzen Vormittag zu schlafen - auch gut.
Nach dem Mittagessen, das noch fast unangetastet in der Küche steht, holte Franzl mich wieder ab.
Während ich nun hier vor mich hersinniere, ist er auf dem Weg um sich die Fernsehübertragung des Auferstehungsamtes anlässlich der Beerdigung von Chiara Lubich anzusehen. Mit vielen anderen Angehörigen der Fokolarbewegung trifft er sich heute dazu im Fokolar Hannover.
Chiara war eine große Frau, die auch mich zum Nach- und Umdenken gebracht hat. Auch wenn ich der von ihr gegründeten Fokolarbewegung nicht angehöre, bin ich doch irgendwie auch auf ihrem Weg.
Hier findet die Übertragung statt

17
Mrz
2008

Die große heilige Woche

Die Christen in aller Welt begehen in dieser Zeit ihre größten Feiertage. Am Beginn der heiligen Woche stand der Palmsonntag, an dem erstmals die Leidensgeschichte im Gottesdienst vorgelesen wurde. Der nächste hohe Feiertag ist der Gründonnerstag, an dem wir daran denken, dass Jesus das Altarssakrament eingesetzt hat, während er mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl versammelt war. Daran schließt sich der Karfreitag an, der in der evangelischen Kirche der höchste Feiertag ist und bei uns Katholiken ein Trauertag, an dem keine heilige Messe gefeiert wird. Wir treffen uns zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr zur Karfreitagsliturgie. Es gibt an diesem Tag keine Kommunionausteilung und alle Glocken und auch die Orgel verstummen.
Diese Grabesstille bleibt bis in die Osternacht, in der zum Gloria alle Glocken läuten und auch die Orgel wieder ertönt. Ostern ist für uns Katholiken der höchste Feiertag im Kirchenjahr.

Mein persönlicher Karfreitag fand in der letzten Woche am Bett meiner Mutter statt.
Ich bin jetzt erschöpft und matt - völlig ausgebrannt, aber meiner Mutter geht es von Tag zu Tag besser.
Ich freue mich auf das kommende Osterfest und auf meine Töchter, die dann bei uns sein werden. Bis dahin habe ich noch einige Tage am Krankenbett vor mir. Allerdings verlaufen die Nächte jetzt ruhiger und ich zucke nicht mehr bei jedem Telefonklingeln zusammen.

16
Mrz
2008

Warten

Ich sitze am Krankenbett und lese aus einem Buch vor. Leider hatte ich in dem leergeräumten Bücherregal nur ein Adventsbuch gefunden.
Es geht um das Warten. Es wird gefragt, worauf die Menschheit wartet und angesprochen werden Erlösung, Frieden, Gesundwerden und weitere größere und kleinere Menschheitssorgen.
Plötzlich höre ich eine schwache Stimme die mich schwer atmend fragt, ob ich wüsste, worauf sie denn warten würde.
Mein Herz schlägt schneller, mein Atem stockt und ich bitte sie, es mir zu sagen.
Und was kommt dann? Sie sagt, sie würde darauf warten, dass ich ihr einen Joghurt aus dem Kühlschrank hole.
Es sieht so aus, als macht sie sich auf den Weg der Besserung.

15
Mrz
2008

Wehen

Die Mutter leidet Schmerzen bei den Geburtswehen mit denen ihre Kinder ins Leben kommen.
Die Kinder leiden Schmerzen bei den Abschiedswehen mit denen die Mutter aus dem Leben geht.
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